
Vier Jahre nach Ende seines VAWi-Fernstudiums berichtet VAWi-Absolvent Bernd Sydow, was ein Master Wirtschaftsinformatik für seine Rolle als Tech-Verantwortlicher bedeutet.
Vier Jahre nach dem Abschluss meines berufsbegleitenden VAWi Master-Studiums (M. Sc. Wirtschaftsinformatik) ist für mich weniger die Frage relevant, was ich gelernt habe, sondern vielmehr, wie das Studium meine Arbeit als Entwickler mit technischer Verantwortung verändert hat.
Von Modellen zu Prinzipien – Architektur als Haltung
Im Studium ging es oft um Struktur, Modellbildung, Systemdenken – Themen, die zunächst abstrakt erscheinen, aber in der technischen Praxis täglich gebraucht werden. Die Fähigkeit, Anforderungen zu abstrahieren, Konzepte zu bewerten und technische Entscheidungen im Gesamtzusammenhang zu treffen, hat sich dadurch massiv geschärft.
Software-Architektur ist mehr als Code. Es geht um klare Prinzipien, um nachhaltige Entscheidungen – und darum, Projektteams in die Lage zu versetzen, gute Lösungen zu entwickeln. Genau das prägt bis heute meine Arbeitsweise.
Technologie gestalten – mit strategischem Anspruch
Wirtschaftsinformatik hat mir geholfen, nicht nur die „richtige Technologie“ zu wählen, sondern den Kontext mitzudenken: Wie wirkt sich eine Architekturentscheidung auf Wartbarkeit, Weiterentwicklung und Sicherheit aus? Wie können Standards geschaffen werden, die von Projektteams getragen werden? Wie lassen sich produktive Freiheitsgrade schaffen, ohne technische Schulden zu produzieren?
Ich denke heute technologie-strategisch. Das bedeutet: nicht nur Lösungen bauen, sondern technologische Optionen bewerten, Zielbilder entwickeln – und mit Entwicklern sowie Projektverantwortlichen einen gemeinsamen Pfad gestalten.
Mentoring und Standards – Wirkung im Projektumfeld
Ein weiterer Effekt des Studiums war, dass ich gezielter Wissen vermitteln und Strukturen etablieren kann. Ob bei der Zusammenarbeit mit Entwicklern, bei Architekturentscheidungen oder in Code-Reviews – mein Anspruch ist, verstehbare, tragfähige Lösungen zu schaffen und dabei Wachstum im Projektteam zu fördern.
Besonders wertvoll war für mich die Zusammenarbeit mit meinem Bruder, der als Senior Requirements Engineer und -Projektleiter tätig ist und zeitgleich mit mir sein VAWi-Masterstudium mit diesem Schwerpunkt absolviert hat (Erfahrungsbericht hier). Seine methodische Expertise in Anforderungsmanagement, Prozessanalyse und Projektsteuerung ergänzt meinen technischen Fokus ideal. Diese Kombination aus technischem Tiefgang und
methodischer Strukturierung ist heute ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit und ermöglicht es uns, gemeinsam durchdachte und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Als technischer Ansprechpartner im Projektteam gestalte ich Prozesse und Rahmenbedingungen so, dass Fachkompetenz und Zusammenarbeit optimal zusammenwirken. Dabei bedeutet Führung für mich nicht das Mikromanagement, sondern das Schaffen eines Umfelds, in dem das Projektteam selbstständig und verantwortungsvoll gute Entscheidungen treffen kann.
Ich sehe Technologie nicht als Selbstzweck, sondern als Vehikel für Qualität, Nachhaltigkeit und Klarheit – sowohl für Kunden als auch für Projektteams. Das Studium hat mir dabei ein sehr solides methodisches Fundament gegeben.
Fazit: Fachliche Führung braucht strategisches Denken
Das VAWi-Masterstudium war für mich kein Abschluss, sondern ein Startpunkt. Heute bin ich nicht nur Entwickler, sondern gestalte technische Lösungen mit Weitblick – sowohl in Architektur als auch in Zusammenarbeit mit anderen.
Gerade in dynamischen Projekten zeigt sich: technische Führung bedeutet nicht, alles selbst zu tun, sondern das richtige Setup zu schaffen, damit Projektteams gute Entscheidungen treffen können.
Dieses Verständnis prägt mein Arbeiten – und es geht weit über einzelne Technologien hinaus.