
Vier Jahre nach Ende seines VAWi-Masterstudiums berichtet VAWi-Absolvent Stephan Sydow aus der Perspektive eines Senior Requirements Engineers und Projektleiters, was das Fernstudium für seine Berufspraxis
bewirkt hat.
Was bleibt vier Jahre nach dem VAWi-Fernstudium der Wirtschaftsinformatik? Für mich: Ein beruflicher
Werkzeugkasten, der mein Denken, meine Methodik und meine Wirkung als Projektleiter und Requirements
Engineer dauerhaft verändert hat.
Rückblickend zeigt sich: Die Impulse aus dem Studium wirken bis heute nach – nicht als bloße Theorie,
sondern als konkrete Grundlage für strategische Weiterentwicklung, nachhaltige Strukturen und
wirksamen Projekterfolg.
In meiner beruflichen Rolle als Senior Requirements Engineer und -Projektleiter bin ich insbesondere für
die methodische Strukturierung und Qualität von IT-Projekten verantwortlich. Neben dem klassischen
Projektmanagement gehören dazu Themen wie Anforderungsmanagement, Testsystematik, Modellierung,
Prozessanalyse sowie die interne Weitergabe von Methodenwissen.
Das VAWi-Masterstudium bot mir die Möglichkeit, die Module passgenau auf meine berufliche Praxis
abzustimmen. Dabei habe ich gezielt Fächer gewählt, deren Inhalte ich unmittelbar im Berufsalltag testen,
evaluieren und weiterentwickeln konnte. Zwei Module, Software- und Qualitätsmanagement und Modellierung von Systemen und Prozessen, haben sich dabei als besonders einflussreich erwiesen.
Modul Software- und Qualitätsmanagement – Grundlage für systematische Tests
Im Modul Software- und Qualitätsmanagement entstand eine praxisorientierte Projektarbeit, in der ich ein
System für strukturierte Testdokumentation entwarf – basierend auf einer internen No-Code-Plattform.
Zum damaligen Zeitpunkt existierte keine systematische Testpraxis – mit allen bekannten Risiken. Ziel meines
Konzepts war es, erste Strukturen zu schaffen, um das Thema Qualität operationalisierbar, dokumentierbar
und langfristig verankert zu machen – auch mit einfachen Mitteln.
Was daraus wurde – der Outcome:
- Ein Auszubildender (Mentee 1) setzte das Konzept in seiner Abschlussarbeit vollständig in der No-Code-Plattform um.
- Ein Praxissemester-Student (Mentee 2) entwickelte gemeinsam mit mir strukturierte Testfälle für
produktive Anwendungen eines Großkunden – auf Basis dieses Konzepts.
- Eine weitere Praxissemester-Studentin (Mentee 3) überführte diese Testfälle in automatisierte End-to-End-Tests mit Selenium – für komplexe Anwendungen mit vielfältigen Nutzerinteraktionen.
Viele dieser strukturellen Verbesserungen, etwa in der Testautomation oder dem Plattformausbau,
entstanden in enger Abstimmung mit meinem Bruder – Senior Developer mit Fokus auf
Plattformstrategie, der das VAWi-Masterstudium zeitgleich mit entsprechendem Schwerpunkt absolvierte.
Unsere gemeinsame Methodensprache aus dem Studium erwies sich als wertvoller Beschleuniger für
nachhaltige Qualität und technische Skalierbarkeit. Aus einer einzelnen Studienarbeit wurde ein unternehmensweiter Qualitätsbooster – ein gutes Beispiel dafür,
wie nicht Output, sondern echter Outcome entsteht.
Modul Modellierung von Systemen und Prozessen – Grundlage für nachhaltiges
Requirements Engineering
Im Modul Modellieren von Systemen und Prozessen lernte ich eine Vielzahl an Methoden kennen – etwa UML,
BPMN oder Zustandsüberführungsgraphen. Diese Methoden habe ich systematisch in meiner Projektpraxis
eingesetzt, unter Realbedingungen getestet und teilweise fest in meine Projektmethodik integriert.
Beispielhaft:
- Mit Zustandsüberführungsgraphen konnte ich komplexe Prozesszustände (teilweise über 15 Status)
in einer Anwendung transparent visualisieren – was sowohl dem Entwicklerteam als auch dem
Fachbereich ein besseres Verständnis ermöglichte und Fehlkonfigurationen signifikant reduzierte.
- Darüber hinaus nutzte ich das Modul als Ausgangspunkt zur eigenständigen Weiterbildung – etwa in
Domain Storytelling, Specification by Example oder Use Case Modellierung. Diese Methoden habe
ich im Projektkontext evaluiert und produktiv eingesetzt.
Fazit: Studium als Sprungbrett für methodische Wirkung
Das Fernstudium hat mir nicht nur Wissen vermittelt – es hat mir einen methodischen Unterbau gegeben,
um systematisch, reflektiert und wirkungsorientiert zu arbeiten.
Es hat mir ermöglicht, bestehende Methoden nicht nur anzuwenden, sondern weiterzudenken, teamfähig zu
machen und in echten Projektkontexten zu etablieren. Viele dieser Impulse haben sich als skalierbare
Verbesserungen mit messbarem Outcome etabliert – in der Teststrategie, der Methodenauswahl und der
Teamzusammenarbeit.
Besonders wertvoll war dabei die Zusammenarbeit mit meinem Bruder als Senior Developer, der das
Fernstudium zeitgleich absolvierte und mit technischem Tiefgang und Plattformfokus unsere gemeinsamen
Ideen methodisch ergänzte. Diese Verbindung aus Technologie- und Methodentiefe ist heute ein zentraler
Bestandteil meiner Arbeit.
Ich sehe mein Studium daher nicht als abgeschlossene Bildungsphase, sondern als Sprungbrett in eine
kontinuierliche Weiterentwicklung – mit greifbarer Wirkung für Teams, Produkte und Nutzer.